Beginen - auf der Erde verankert, zum Himmel offen

Die Wurzeln der Beginen

Dieser Text stammt von den Kölner Beginen (link zu den Kölner Beginen):

Die Bezeichnung „Begine“ galt seit dem 12. Jahrhundert für alleinstehende Frauen, die ein Leben in Wohn- und Arbeisgemeinschaft mit gleichgesinnten Frauen – jenseits von Ehe und Kloster – wählten. Ab dem 13. Jh. breitete sich dieses Phänomen rasch über ganz Europa aus. Erstaunlich viele Frauen (bis zu 10 % in den Städten) entschieden sich für ein Leben als Begine.

Mit ihrer Haltung, ihrem Selbstverständnis und ihrer Lebensweise bewirkten die Beginen einen weiblichen Kulturwandel. Mit ihrer selbstbestimmten Lebensform brechen die Beginen aus der mittelalterlichen Gesellschaftsform aus.
Beginen zeichneten sich durch wirtschaftliche Unabhängigkeit – die durch eigenes Vermögen, durch eigene Arbeit und durch Stiftungen gewährleistet werden konnte – sowie durch eigenständige Rechtsfähigkeit aus.

Die Beginen verwirklichten eine neue Kultur des Zusammenlebens von Frauen, die auf Selbstbestimmung und Solidarität gegründet war. Es gab keine für alle Konvente und Beginenhöfe verbindlichen Regeln, keine zusammenhängende Organisationsstruktur. Jede Beginengemeinschaft verwaltete und organisierte sich selbst. Manche Gemeinschaften hatten gar keine festen Regeln, andere arbeiteten genaue Verträge – vor allem für die wirtschaftliche Seite des Zusammenlebens – aus. Sie wählten auf Zeit eine „Meisterin“, der sie Autorität zusprachen, der sie vertrauten und deren Anweisungen sie freiwillig folgten.

Beginen waren ein Teil der religiösen Aufbruchbewegung in dieser Zeit. Sie strebten nach einem religiösen Leben in der Welt und fanden zu einem neuen spirituellen Selbstbewusstsein. Dabei ging es ihnen vorrangig um persönliche Gotteserfahrungen und nicht um die von der römischen Kirche formulierten Glaubenssätze und Gebote. Das Ideal der damaligen Frömmigkeitsbewegung war: Gott und den Menschen zu dienen.

Vor allem die frühen Beginen bildeten mystisch inspirierte Lebensgemeinschaften und spirituelle Lerngemeinschaften. Sie widmeten sich der Kontemplation, dem Gebet und den geistlichen Übungen. Sie lasen gemeinsam die Bibel und diskutierten frei über theologische Fragen. Sie hielten sich gegenseitig Erbauungspredigten und unterstützten sich untereinander in ihrer spirituellen Entwicklung.

Unter den Beginen befanden sich einige der bedeutendsten Mystikerinnen des Mittelalters, z. B. Hadewijch von Brabant, Mechtild von Magdeburg und Marguerite Porète.

Vor allem waren die Beginen in den Grenzsituationen des Lebens aktiv: in der Krankenpflege, der Sterbebegleitung, beim Totendienst, aber auch als Geburtshelferinnen und Erzieherinnen. Beginen waren im Mittelalter die klassischen Sozialarbeiterinnen, die primär aus Nächstenliebe wirkten, auch wenn sie oft auf Entlohnung angewiesen waren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Beginen im alten Bern

Beginen gab es in historischer Zeit auch in Bern, vgl. dazu die Themenseite der Stadt Bern zu den Beginenhäusern.